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Wo Hilfe bislang rar war, könnte die Akupunktur künftig helfen: Eine internationale Studie belegt die Wirksamkeit der Nadeln bei fehlerhaften Spermien. In der vor kurzem veröffentlichten Arbeit zeigen sich die wichtigsten Qualitätsmerkmale der männlichen Fortpflanzungszellen nach Abschluss der Akupunkturbehandlung deutlich gebessert.
Das anhaltende Interesse an Komplementär- und Alternativmedizin fördert auch deren Vordringen auf unbekanntes Terrain. So braucht es niemanden zu verwundern, dass die Akupunktur Eingang in die Therapie von Fruchtbarkeitsstörungen gefunden hat. Und zwar nicht nur bei der Frau!
Andrologen, die Fachärzte für den Mann, vermuten bei etwa einem Zehntel aller Männer Unfruchtbarkeit. Erhebungen zu den Ursachen für ungewollt Kinderlose sprechen dem Mann einen Anteil von 50% zu. Bei knapp der Hälfte der betroffenen Männer sind die Gründe unbekannt - der Arzt spricht von idiopathischer Infertilität.
Inzwischen belegen zahlreiche Arbeiten die Therapieerfolge der Akupunktur auch auf diesem Gebiet. So erhöhen die China-Nadeln neben Zahl und Beweglichkeit der Spermien auch die Blutspiegel von Sexualhormonen. Das Sexualverhalten selbst ändert sich dabei nicht.
TEM zeigt selbst feinste Strukturen
Eine international besetzte Forschergruppe aus Medizinern, Mathematikern und Biologen analysierte jetzt zusätzlich, welche Änderungen die Akupunktur an der Struktur von Spermien bewirken kann. Dabei nutzten die Forscher modernste Apparate, darunter das Transmissionselektronenmikroskop (TEM), eine Erweiterung des bekannten Elektronenmikroskops. Denn das TEM zeigt noch die feinsten Details im Aufbau der Spermazellen, die zusammen als Ultrastruktur bezeichnet werden.
Die Forscher schlossen 40 Männer, die in einer ungewollt kinderlosen Partnerschaft lebten, in ihre Studie ein. Deren Partnerinnen waren nicht schwanger geworden, trotz ungeschützten Verkehrs und wiederholter künstlicher Befruchtungsversuche. Alle Männer litten an der idiopathischen Infertilität, die von Andrologen festgestellt worden war. Aufeinander folgende Samenanalysen hatten zu wenige oder zu langsame Spermien oder Fehlformen aufgedeckt. Der Hormonspiegel lag der Männer lag jedoch im Normbereich.
Samenuntersuchung nach WHO-Standard
Die 28 Teilnehmer der Akupunkturgruppe wurden fünf Wochen lang behandelt. Genadelt wurde zweimal je Woche an verschiedenen Haupt- und Nebenpunkten. Die Forscher führten die Akupunkturnadeln - je nach Körperregion - bis in eine Tiefe von 25 mm in die Haut ein. Das nadeltypische DeQi-Gefühl, vermittelt über Schmerznerven, lösten sie durch Rotationen der Nadeln um deren Achse aus. Die Nadeln wurden für 25 Minuten am Akupunkturpunkt belassen. Die 12 Männer der Kontrollgruppe erhielten keine Therapie.
Die Gewinnung zweier Samenproben je Mann (unmittelbar vor und nach der Akupunkturserie) erfolgte durch Masturbation unter hygienischen Bedingungen. Die folgende Samenanalyse orientierte sich am gültigen Standard der WHO. Am Lichtmikroskop bestimmten die Forscher zunächst die Zahl und Beweglichkeit der Spermien, während zur anschließenden Analyse der Feinstruktur das TEM herangezogen wurde.
Akupunktur erhöht Dichte gesunder Spermien
Als natürliche Befruchtungsgrenze, die Zahl gesunder Spermien also, die zur Befruchtung notwendig ist, gilt derzeit die Gesamtzahl von 2 Millionen Spermien je Samenerguss.
Bei den Teilnehmern der Akupunkturgruppe hatte sich die Zellzahl nach der zehnten Akupunktursitzung von 40000 auf 140000 erhöht und damit mehr als verdreifacht.
Verglichen mit der Kontrollgruppe stiegen bei den akupunktierten Männern der Anteil beweglicher Spermien und die Zahl der Zellen mit korrekt sitzendem Köpfchen. Auch zeigten nach der Akupunktur deutlich mehr Zellen als vorher eine gesunde Form des Zellkerns. Auch der Anteil unreifer und vorzeitig zugrunde gehender Spermien nahm deutlich ab.
Nadeln kräftigen Geißelschlag
Die größte Bedeutung für die Befruchtung, so die Forscher abschließend, habe die Beweglichkeit der Zellen, die von der Funktion ihrer Geißel abhängt. Jedes einzelne Strukturelement der Spermiengeißel beeinflusst demnach die Effektivität der Vorwärtsbewegung, durch die sich das Spermium schwimmend auf die Eizelle zu bewegt. Die Autoren stellen fest, die Akupunkturbehandlung habe sowohl den inneren Aufbau als auch die äußere Form der Geißeln deutlich sichtbar gefördert.
Der Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM), Dr. Bernd Ramme, meint dazu: “In der Tat, diese Ergebnisse stützen deutlich die Grundhypothese der Akupunktur: Jedes natürliche Leiden resultiert aus Störungen des harmonischen Flusses von Stoffen oder Energie. Ganz oben auf der Liste stehen dabei - neben Schmerzen - die hormonellen Erkrankungen.”
Quelle: Pei J et al: Quantitative evaluation of spermatozoa ultrastructure after acupuncture treatment for idiopathic male infertility. Fertil Steril 2005;84:141-7. |