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„Darüber reden können“ ist gut fürs Liebesleben
Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Dr. Catherine Mercer von der Universität London, nachdem sie über 11 000 britische Frauen und Männer befragt haben. In der Befragung ging es um sexuelle Probleme, von mangelndem Interesse am Sex über die Angst, beim Sex eine schlechte Figur abzugeben, bis hin zu Erektions- und Orgasmusstörungen.
Die Ehe scheint Frauen und Männern in puncto Liebesleben unterschiedlich gut zu bekommen: Während verheiratete Männer seltener über Sexualprobleme klagen als unverheiratete, haben verheiratete Frauen häufiger mit sexuellen Störungen zu kämpfen als ihre unverheirateten Geschlechtsgenossinnen.
Bei Frauen erwies sich nicht nur die Ehe selbst eher als Hemmschuh für ein erfülltes Liebesleben, sondern auch die Sprösslinge. Mütter mit kleinen Kindern berichteten fast anderthalb mal so häufig über sexuelle Probleme wie kinderlose Frauen. Über die Gründe gibt die Untersuchung keine Auskunft – man kann nur spekulieren: Stört zuviel Stress? Verändern sich die Prioritäten? Verschiebt sich die Rolle der Frau auch in der Paarbeziehung weg von der Geliebten hin zur „Nur-Mutter“?
Eine Chance, die Weichen in Richtung sexuelle Zufriedenheit schon in jungen Jahren richtig zu stellen, bietet wahrscheinlich eine gute Aufklärung. Denn Männer und Frauen, die gut vorbereitet in ihre erstes sexuelles Erlebnis gegangen waren (darunter verstehen die Forscher, dass sie sich bewusst, ohne Zwang oder Schuldgefühle für den Geschlechtsverkehr und für eine verlässliche Verhütungsmethode entschieden haben), hatten im späteren Leben deutlich seltener Sexualprobleme.
Den größten Einfluss auf die Qualität des Liebeslebens hat aber offenbar die Tatsache, dass man mit dem Partner offen über alle Aspekte des sexuellen Erlebens reden kann, die wichtig sind – über Wünsche und Vorlieben ebenso wie über Abneigungen und Probleme. Männer und Frauen, die dazu nicht in der Lage waren, litten doppelt so häufig unter sexuellen Störungen wie „offenherzige“ Geschlechtsgenoss(inn)en.
„Darüber reden“ stellt beide Geschlechter vor Schwierigkeiten. Frauen scheuen das Gespräch besonders, wenn es ihnen an sexuellem Verlangen mangelt oder wenn sie Schwierigkeiten haben, einen Orgasmus zu erreichen. Männer werden vor allem dann stumm, wenn ihre Probleme die Potenz betreffen – sie fühlen sich in ihrer Männlichkeit beschädigt und möchten das Thema am liebsten totschweigen.
Dabei ist es eminent wichtig, diese Hemmung zu überwinden. Ein offenes Gespräch verbessert nicht nur die Partnerschaft und das Verständnis füreinander, sondern macht es auch leichter, gemeinsam eine Lösung für sexuelle Probleme zu finden. Im Falle von Erektionsstörungen sollte diese Offenheit auch den Arzt einbeziehen, der wirksame Behandlungsmöglichkeiten anbieten kann. |